Dieser Geist des "im Augenblick lebens" oder "der Weg ist das Ziel" ist mir auch begegnet, als ich mich mit Zen beschäftigte.
Dabei fand ich das Buch Zen für jeden Tag
"Wenn du sitzt, dann sitze,
wenn du gehst, dann gehe,
wenn du arbeitest, dann arbeite."
Dabei geht es darum, mit seinen Gedanken nicht immer schon bei der nächsten Tätigkeit oder beim Ergebnis zu sein, sondern immer im aktuellen Augenblick zu sein, sich voll auf die Tätigkeit zu konzentrieren und zu spüren, was im eigenen Körper vor sich geht.
Es geht einfach darum den Augenblick ohne Beurteilung wahrzunehmen. Es ist so wie es ist.
Seitdem versuche ich mich möglichst oft zu erinnern, bewusst zu gehen oder abzuwaschen oder Unkraut zu zupfen,...
Besonders schön finde ich es, als Gehmeditation barfuß über den Rasen zu laufen, und dabei meine Fußsohlen zu spüren. Dadurch kommt meine Energie aus dem Kopf wieder zurück in den Bauch, was sich besonders bei beginnenden Kopfschmerzen positiv bemerkbar macht.
Folgendes Zitat aus dem Buch regte mich sehr zum Nachdenken an:
Bankei war ein sehr berühmter Zen-Meister Japans. Eines Tages kam ein Zen-Schüler, der inzwischen Samurai geworden war, und klagte: "Meister, ich hab solch' ein unbeherrschtes Wesen. Wie kann ich meinen Geist zu Ruhe bringen?" "Du hast etwas sehr Seltsames", antwortete Bankei, "zeige mir deinen unruhigen Geist. Bring mir dein unbeherrschtes Wesen. Du hast etwas sehr Ernstes! Etwas Außerordentliches!" "Ich kann ihn dir jetzt nicht zeigen." "Wann kannst du ihn dann zeigen?" "Das weiß ich nicht. Er kommt ganz unerwartet", antwortete der Samurai. "Dann ist es nicht deine eigene wahre Natur", folgerte Bankei, "wäre es das, dann könntest du mir diesen unruhigen, unbeherrschten Geist jederzeit zeigen. So kann es aber nicht deine wahre Natur sein. Du hattest ihn nicht, als du geboren wurdest, und deine Eltern haben ihn dir nicht gegeben. Geh' und denke darüber nach."
Das erinnerte mich daran, dass meine Schmerzen von der selben Art waren, ich konnte sie auch nicht zeigen, wann ich wollte, aber sie überfielen mich immer wieder.
Das erinnerte mich wieder daran, dass ich gehört oder gelesen habe, dass es sich beim Schmerz nur um negative Energie handelt, die sich in meinem Körper festgesetzt hat. Das ist eigentlich auch logisch, denn dadurch ist es erst möglich, den Schmerz auszuleiten, so wie ich es in der Eifel gelernt hatte, denn das funktioniert auch erst, wenn man sich nicht mehr mit dem Schmerz identifiziert, sondern ihn als etwas, von mir unabhängiges betrachtet.
Das erinnerte mich wieder an das Buch von Eckhart Tolle: JETZT!
Ich versuchte sein Rezept, den Schmerzkörper schon wenn er klein ist, zu beobachten und ihn nicht zu ignorieren, für mich umzusetzen.
Da ein Problem darin besteht, sich mit dem Schmerzkörper zu identifizieren, habe ich ihn getauft:
Darf ich also vorstellen: Das ist Oskar - mein Schmerzkörper.
Dadurch fiel es mir leichter, ihn als irgendetwas zu sehen, was nicht ich bin.
Weiterhin stellte ich mir vor, dass Oskar, wie so eine kleine freche Katze ist, die nur Unsinn im Kopf hat, dadurch schaffte ich es immer öfter, den Schmerz zu akzeptieren, und nicht nur daran zu denken, dass er wieder weg gehen soll.
Der Haken war, dass ich jetzt auf jedes Anzeichen für den erwachenden Schmerzkörper achten sollte, ob es sich nun um eine Gereiztheit, Übelkeit, leichten Schmerz, oder ähnliches handelte.
Außerdem sollte ich mir dann sofort die Zeit nehmen, und ihn einfach nur betrachten.
Durch das Betrachten ohne Wertung und einfache Fühlen der Energie ohne Benennung wird das Licht des Bewusstseins auf den Schmerz gerichtet, und das hasst er über alles. Man kann ihn sich vielleicht wie einen Vampir vorstellen, der auch alle Kraft aus einem saugt, aber bei Licht sich sofort auflöst.
Dieses sofort ist dabei eines meiner größten Probleme, denn ich habe doch noch diesen Termin und muss erst noch diese Aufgabe zu Ende bringen, so dass Oskar sich immer wieder zu wahrer Größe vollfressen kann.
Ihn dann loszuwerden ist nicht mehr ganz so einfach, denn dann veranstaltet er seine Spielchen mit mir:
Oh, Oskar sitzt im Bauch - siehst du heute schön aus, und ich kann dich richtig gut fühlen - eine Minute und der Schmerz ist aus dem Bauch verschwunden. Oh jetzt hat er sich in die Beine verkrochen - hallo da bist du ja wieder, ich wünsche dir einen schönen Tag - eine Minute später hat er die Beine verlassen. Mist, jetzt sitzt er wieder in der Hüfte - hallo was machst du da schon wieder, das tut ganz schön weh, was du da mit mir treibst - jetzt muss ich mich schon stark bemühen, die Minute durchzuhalten, denn diese fühlt sich jetzt schon wie Stunden an - doch geschafft. Mist, jetzt sitzt er mir mit seinen Krallen im Rücken, und macht es sich auf meinen Nieren bequem, ungefähr jetzt fällt es mir dann immer schwerer Spaß an dem Spiel zu haben, und ich werde ungeduldig. Oskar freut sich dann wie ein Schneekönig, dass er wieder Futter bekommen hat.
Dieses Durchhalten und sich immer seines Körpers bewusst zu sein, sich nicht von Stress und Hektik auffressen zu lassen, sondern sich die Zeit für sich selbst zu nehmen, ist der eigentliche Schlüssel des ganzen.
Falls es Oskar wieder einmal geschafft hat, dass er bis in meinen Geist vorgedrungen ist, und ich mich dann nur noch selbst bemitleide und die ganze Welt verfluche, dann fällt es mir bedeutend schwerer, mich an den Haaren aus diesem Sumpf zu ziehen, einen klaren Kopf zu bekommen, und den Schmerz einfach auszuleiten.
Deshalb ist es so wichtig, sich gleich die Zeit zu nehmen, wenn Oskar kommt, egal ob die Welt dann zusammenbricht, denn sonst macht sie es auch.
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